InfiniteWP Slides von @webstreifen

Review 22.1.2013: InfiniteWP, WP Drama, Ökosystem Meetup, Ausblick

Das erste […setze wahlweise ein: Frühstück, Bier, Vollbad, Meetup etc.…] im neuen Jahr hat ja immer diese ganz spezielle Aura. Alles auf Anfang, das Gestern vergestern[1] und mit guten Vorsätzen in den Neuanfang! Beim 2013-Jahresauftakt-Meetup im guten, alten Daily Coffee ging es entsprechend enthusiastisch zur Sache. Chris hatte gleich zwei Themen vorbereitet, von denen wir uns eines aussuchen durften. Und während der Abend bei uns fröhlich und informativ seinen Lauf nahm, braute sich jenseits des Atlantik das erste WordPress-Drama des Jahres zusammen. Hui!

Triple-Meetup in Deutschland

Der 22. Januar 2013 könnte in die Annalen der WP Meetups eingehen: In drei Städten – Frankfurt, Berlin und Potsdam – traf sich die jeweils ansässige WordPress-Gemeinde, um den Auftakt zu einem neuen Community-Jahr würdig zu begehen. Die Doppelbelegung des Termins von Potsdam und Berlin war zwar eigentlich ein Unfall gewesen, ergänzte das Event dank Twitter dann aber um eine weitere unterhaltsame Gesprächsdimension.

InfiniteWP: Meta-Backend zum Selber-Installieren

Thematisch ging es mit einer weiteren kompetentest vorbereiteten und -getragenen Präsentation von Chris zur Sache. Wir durften wählen und entschieden uns für InfiniteWP als Vortragsthema.

Anders als andere ManagementTools für WordPress, darf InfiniteWP auf dem eigenen Webspace/Server installiert werden. Auch eine lokale Installation unter localhost auf dem Desktop daheim oder dem Notebook ist ohne Weiteres machbar.

Was macht InfiniteWP?

InfiniteWP bietet eine Admin-Oberfläche zum Verwalten verschiedener WordPress-Installationen. Anders als die Netzwerk-Variante („Multisite“) von WordPress selbst, in der verschiedene Blogs innerhalb einer einzigen Installation betrieben werden können, kann man mit InfiniteWP verschiedene Installationen bequem in einem einzigen Backend managen – sogar Multisite-Installationen!

Was kostet InfiniteWP?

InfiniteWP ist open-source und in der Basis-Version kostenfrei zu haben. (Den Donwload-Link gibt es gegen Emailadresse.) Kosten fallen an, wenn man auf die zahl- und hilfreichen Addons zugreifen möchte, die das Arbeiten mit dem Backend noch einmal erleichtern.

Die Preise für Addons sehen auf den ersten Blick schon ganz ordentlich aus: 69$ für die Funktion Schedule Backups (also zeitgesteuerte Backups), und noch einmal 49$ für Backup To Repositories (z.B. um Backups direkt in Dropbox zu speichern). Allerdings handelt es sich offenbar um einmalige Beträge, was deren Höhe für professionelle Anwender mit vielen WordPress-Installationen schon wieder deutlich relativieren dürfte.

Support

Wenn der Support so gut und schnell ist, wie die Response-Zeit der Jungs bei Twitter, dann hallelujah… 😉 Unsere Fragen wurden live und sofort beantwortet – chapeau!

Slides zur Präsentation

Chris hat die Slides zu seinem Vortrag hier zur Verfügung gestellt (PDF, ca. 4MB). Vielen Dank für den detaillierten Einblick!

InfiniteWP Slides von @webstreifen
InfiniteWP Slides von @webstreifen

WP Drama

Während bei uns am Tisch munter präsentiert und angeregt diskutiert wurde, ging es anderswo richtig zur Sache. Die Spitzen des Emo-Bebens, das da durch einen Teil der WordPress-Gemeinde in Übersee ging, kann man immer noch unter dem Hashtag #wpdrama bei Twitter nachlesen. Was war passiert?

Theme-Entwickler Jake Caputo hatte einen Artikel publiziert, in dem er seinem Frust Luft machte: Die WordPress Foundation hatte ihm untersagt, in Zukunft auf WordCamps als Sprecher aufzutreten. Matt Mullenweg persönlich hatte in einem Chat mit Jake zwar Bedauern ob dessen sucky situation geäußert, jedoch auch keine alternative Lösung parat gehabt.

ThemeForest, die Foundation und die GPL

Warum das Verbot? Jake verkauft seine Themes bei ThemeForest[2] und lebt davon. ThemeForest wiederum fordert von Entwicklern, die dort verkaufen wollen, ihre Themes unter einer sog. Split License zu verkaufen, die nicht 100%ig kompatibel mit der GPL ist, unter der WordPress selbst veröffentlicht wird.

Aufgrund dieses Lizenz-Themas liegt ThemeForest im Dauer-Clinch mit der WordPress Foundation (oder umgekehrt). Die Foundation wacht über den rechtmäßigen Gebrauch der Marken WordPress und WordCamp und hat für diesen Zweck (auch nicht erst vorgestern) sog. Guidelines für WordCamp-Veranstalter herausgegeben.

In diesen Richtlinien wird u.a. festgelegt, dass ein WordCamp keine Unterstützung von Organisationen oder Personen erhalten darf, die WordPress kommerziell nutzen bzw. erweitern und dabei nachweislich gegen die GPL verstoßen – was bei ThemeForest-Autoren anscheinend, wie oben angedeutet, zwangsläufig der Fall ist, sonst dürften sie gar nicht bei ThemeForest verkaufen.

Lag es am Wetter, am Stand der Sterne oder am Thema Geld und Profit mit freier Software? In den Diskussion(en) um den exemplarischen Fall Caputo und seine Konsequenzen ging es auf jeden Fall hoch emotional her. Wem das Thema nicht völlig egal ist, der möge sich die 200+ Kommentare unter Jake’s Originalartikel, teilweise von „Promis“ der internationalen WordPress-Szene, zu Gemüte führen. Eine kleine, bei weitem nicht vollständige Linksammlung gibt es in diesem Beitrag bei Google+.

WP Meetups: Ausblick

Die nach dem WP Camp 2012 neu gegründeten WP Meetups scheinen sich zu etablieren. Jetzt muss sich zeigen, ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ball und ihrem Meetup treu[3] bleiben. In Potsdam saßen, nach längerer Zeit einmal wieder, alle Gründungsmitglieder am Tisch. Nach über einem Jahr und einem gemeinsam gestemmten Event wie dem WP Camp 2012 ist das ein Bild, das mich persönlich ganz besonders freut.

Das Potsdamer Meetup ist mittlerweile, trotz oder vielleicht auch wegen seiner im Durchschnitt recht übersichtlichen Teilnehmerzahl, zu einem eigenen kleinen Ökosystem geworden, in dessen fruchtbarer Erde Kooperationen der verschiedensten Art zu wurzeln beginnen. Teilnehmer/innen vernetzen sich untereinander, tauschen oder buchen ihre Dienstleistungen, unterstützen sich im WordPress-Alltag oder haben einfach Freundschaften geschlossen. Erste Partnerschaften mit lokalen Institutionen wie dem Potsdamer Stadtmagazin Friedrich entstehen und bringen für alle Beteiligten Vorteile.

Nachhaltiges Wachstum im Stillen

Interessant dabei ist, dass diese positiven Entwicklungen mehr oder weniger im Stillen und wie von selbst vor sich zu gehen scheinen, während es bei den Meetup-Treffen selbst nach wie vor um konkretes WordPress und den Austausch dazu geht.

Es würde niemand auf die Idee kommen, bei uns am Tisch ein Akquise-Gespräch anzuzetteln; dennoch ergeben sich mit der Zeit quasi nebenbei Möglichkeiten, auch im kommerziellen Bereich miteinander zu interagieren. Und weil man die Leute, mit denen man dann vielleicht mal ein Projekt gemeinsam stemmt, schon kennt und als Freunde bezeichnet, gestalten sich solche Kooperationen angenehm stressfrei und auf die Dauer sicher besonders nachhaltig.

Zentralisierung in den USA…

Vielleicht lohnt es sich auch, mit einem Auge die aktuelle Entwicklung in den Staaten zu verfolgen. Dort sind die WP Meetups vielerorts ein größeres Ding als bei uns. Es werden Speaker eingeladen und Sponsoren-Verträge geschlossen – Dinge, die bei uns schon in die Kategorie WordCamp oder WP Camp fallen.

Seitens der oben erwähnten WordPress Foundation gibt es seit einiger Zeit massive Maßnahmen, die Meetups zentral zu organisieren. Über die Intentionen hinter diesen Bemühungen möchte ich persönlich nichts Schlechtes denken, ihre Zweckmäßigkeit zweifele ich jedoch im Grundsatz an (sofern der Zweck mit der verkündeten Absicht besteht, die Meetups zu fördern).

…vs. Selbstorganisation anderswo

Menschen, die sich aus eigenem Antrieb unter dem Dach eines gemeinsamen Themas treffen, sollten sich von Anfang selbst organisieren, und tun dies auch – es sei denn, man versucht von „oben“, ihnen irgendwelche Bobons in den Hals zu schieben – z.B. in Form eines Accounts bei meetup.com, der sie als Erstes schon mal von der Notwendigkeit „befreit“, sich eine eigene Website zu kreieren und deren kontinuierliche Pflege untereinander zu organisieren.

Dass mit dieser Art „Unterstützung“ in aller Regel wertvolle Potentiale vernichtet und überflüssige Abhängigkeiten geschaffen werden, scheint man in San Francisco noch nicht verstanden zu haben. Kann uns aber auch egal sein. Die Meetups in Deutschland haben ihre Antwort auf gut gemeinte Ansätze zentraler Organisation bzw. Präsentation ja bereits gegeben: wpmeetup.de, die vor etwa anderthalb Jahren gestartete Plattform für Meetups in DACH, konnte ihren Dienst nach kurzer Zeit mangels Interesse wieder einstellen.

Dabei seien die guten und lauteren Absichten der Initiatoren von damals hier ausdrücklich betont! Es fehlte einfach an der Nachfrage. Und bei genauem Hinsehen erschliesst sich m.E. auch, dass das Ausbleiben jener Nachfrage die Anzeichen für eine sehr erfreuliche Entwicklung sein könnte: eine sich wieder findende und sich selbst organisierende Community. Was meint ihr?

Grüße!

In Potsdam sind wir gespannt, was 2013 bringen wird. Ob das WordCamp Europe tatsächlich stattfindet? Die Idee mit dem gecharterten Bus nach Amsterdam steht auf jeden Fall. 😉 Sicher wird man sich auch gegenseitig mal in Hamburg, Hannover, Frankfurt, Stuttgart und Erlangen besuchen, oder? Grüße an alle Meetups!

[1] Editoren, Finger weg von meinem Wortspiel, das war Absicht!
[2] Link zu ThemeForest muss nicht sein.
[3] Insider aus Berlin und Potsdam mögen hier eine kleine Stichelei wittern; so ist es aber nicht gemeint.☺

Veröffentlicht von

Caspar Hübinger

Web tinkerer, occasional speaker, Digital Marketeer at Human Made. Solemnly swears to be up to no good.

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